Die Einführung einer neuen Öffnungsklausel in die nationale Lohnrahmenvereinbarung der westdeutschen chemischen Industrie im Juni 1997 (DE9706216F) geht noch einen Schritt weiter. Zum ersten Mal wurde eine allgemeine Öffnungsklausel für Löhne vereinbart, die nicht eng mit einem möglichen Konkurs des Unternehmens verbunden ist, sondern auch zur Vermeidung von Entlassungen oder zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit eingesetzt werden kann. Nach der neuen Öffnungsklausel können Unternehmen den tariflichen Lohn innerhalb eines begrenzten Zeitraums um bis zu 10 % senken. Inzwischen hat der Chemie-Deal bereits seinen ersten Nachahmer in der ostdeutschen Bauindustrie gefunden, wo im Juli 1997 eine ähnliche Öffnungsklausel geschlossen wurde (DE9707126N). Wir wollen Änderungen in der Tarifsicherung im Laufe der Zeit aufzwingen. Die Methode von Fairlie wird an unsere Anwendung angepasst, so lautet die Zerlegung: Die Vertretung der Union ist in den meisten OECD-Ländern stark zurückgegangen (Visser 2006; Lesch 2004; OECD 2004; Card et al. 2003; Schnabel 2013). Es ist interessant zu sehen, dass der gleiche Trend Länder mit sehr unterschiedlichen institutionellen Bedingungen wie die USA, Kanada, das Vereinigte Königreich und Deutschland betrifft. 1 Dieser Trend kann wichtige Folgen haben. Insbesondere kann dies zu einem niedrigeren Lohnniveau und einer wachsenden Lohnungleichheit führen, da die Gewerkschaften dazu neigen, die Lohnverteilung von unten zu komprimieren. 2 Deutschland ist ein interessanter Fall, weil es einen bemerkenswerten Übergang vom “kranken Mann” Europas zum “Jobwunder” durchgemacht hat (Europäische Kommission 2002; Krugman 2009; Möller 2010; Dustmann et al.

2014). In Deutschland dominieren Tarifverträge den gesamten Prozess der Arbeitsbedingungen – nicht nur für Gewerkschaftsmitglieder. Laut gehaltsvergleich.com liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Softwareentwicklers in der Privatwirtschaft ebenfalls bei rund 3.200 Euro brutto im Monat und damit in einigen Fällen unter dem Verdienst eines Beamten. Tarifverträge werden in Deutschland in der Regel zwischen einem Arbeitgeberverband und einer Gewerkschaft ausgehandelt. Als Alternative zu diesen Formen der Tarifverhandlungen können Arbeitgeber und Arbeitnehmer Einzelverträge aushandeln. Wenn ein Tarifvertrag zustande kommt, gilt er für alle Unternehmen, die dem entsprechenden Arbeitgeberverband angehören und in dem betreffenden Sektor und der jeweiligen Region tätig sind. Auf Seiten der Arbeitnehmer muss der Tarifvertrag rechtlich nur auf Gewerkschaftsmitglieder angewendet werden. Es ist jedoch sehr üblich, dass Arbeitgeber alle Arbeitnehmer nach dem Tarifvertrag bezahlen.

5 Denn die Arbeitgeber wollen die Verhandlungskosten senken und den Anreiz verringern, Gewerkschaftsmitglied zu werden (Fitzenberger et al.